Ort der Wegmarke Anton Biehl

Anton Biehl

Hier wohnte der Hofbesitzer Anton Biehl (1783-1835). Der Hausstein von 1808 zierte einst den Eingang des Hauses. Napoleon strebte damals nach der Herrschaft in Europa. Land Wursten im Kurfürstentum Hannover wurde in Personalunion mit England, dem Hauptgegner Napoleons, regiert. Die Versorgung der Region mit britischen Luxusgütern war vorzüglich. 1805 blockierten die Engländer die Mündungen von Elbe und Weser. Seit 1806 konterte Napoleon mit der Kontinentalsperre. Preußen, ursprünglich mit Napoleon verbündet, besetzte 1805 kurzzeitig die Region an der Wesermündung, 1806 folgten die Franzosen. 1810 dem franz. Königreich Westfalen zugeschlagen, gehörte die Unterweserregion als „Departement des Bouches de Weser“ (Departement Weser-mündung) 1810-1813 zu Frankreich. Hauptstadt war Bremen, Hauptort nahe der Küste Lehe. Lehe blühte auf. Die Kirchenbücher der Region belegen Hochzeiten zwischen Besatzern und Einheimischen, die auch wichtige Posten in der französischen Verwaltung hatten. Anton Biehl war französischer Munizipalrat. Doch für die Küstenregion behinderte die Kontinentalsperre Seefahrt und Handel. Zwangsrekrutierungen für die französische Armee für den Russlandfeldzug entzogen den Höfen die Arbeitskräfte. Immer neue Sondersteuern und die Einquartierung und Verpflegung der Besatzer ruinierten vor allem besser gestellte Familien wie die Biehls. Die Wut auf die Besatzer stieg. Anton Biehl gehörte zum Geheimbund „Schwarzer Fisch“, der in Wursten den Schmuggel und den Widerstand koordinierte. Die Entsetzung Hamburgs im Februar 1813 führte zu Aufständen, die sich wellenförmig über Stade zur Weser fortsetzten. Nachdem Dorum befreit war, wurden die Franzosen durch den Landsturm unter Anführung von Jan Rickweg und Anton Biehl aus Lehe vertrieben. Beim französischen Gegenschlag wurde der Landsturm bei der sog. Schlacht an der Franzosenbrücke blutig besiegt. Anton Biehl konnte zum englischen Helgoland entkommen. Kurzzeitig britischer Leutnant, kehrte er nach Vertreibung der Franzosen Ende 1813 durch russische Kosaken zu Frau und Töchtern zurück. Er konnte den Hof nicht halten und starb verarmt in Imsum.

Text: N. Borger-Keweloh, © 2013