Ort der Wegmarke Die Feddersen Wierde

Die Feddersen Wierde

In dem erhöhten Gelände hinter dieser Tafel lag ein eisenzeitliches Wurtendorf. Auf einem natürlichen Brandungswall in der Marsch errichteten Siedler um die Mitte des 1. Jhs. v. Chr. Wohnstallhäuser von bis zu 24 m Länge und 6 m Breite aus Eichenpfosten und Lehmflechtwerk. Als im 1. Jh. n. Chr. der Meeresspiegel stieg, wurden neue Häuser auf aufgeworfenen Hügeln errichtet. Aus diesen Hofwurten entstand allmählich eine Dorfwurt auf einer um 4 m erhöhten länglich ovalen Fläche von ca. 4 ha. Auf ihr lebten im 3. Jh. etwa 300 Menschen, die schätzungsweise 450 Stück Großvieh hielten. Die Bewohner nutzten das umgebende Land als Weide und zum Teil auch für den Anbau von Gerste, Weizen, Bohnen und Flachs. Insgesamt entstanden in knapp 600 Jahren und 8 Siedlungsphasen etwa 200 Wohn- und 144 Speicherbauten. Wegen häufigerer Sturmfluten und eines erheblichen Anstiegs des Meeresspiegels wurde die Wurt zunächst immer höher aufgeworfen, bis man schließlich am Ende des 5. Jhs. den Siedlungsplatz aufgab. Nach rund 200 Jahren Unterbrechung erfolgte eine Neubesiedlung vom 7./8. bis zum 13./14. Jahrhundert. Das Dorf wurde von 1955-1963 fast vollständig durch das heutige Nds. Institut für historische Küstenforschung, Wilhelmshaven, ausgegraben. In Zusammenarbeit von Archäologen und Geobotanikern gelang es erstmals in Nordeuropa, eine derartige Wurt in ihrer Entwicklung weitgehend zu erschließen. Detailuntersuchungen der Fundstücke ergaben Hinweise auf eine Verarbeitung von u. a. Holz, Knochen, Bronze und Eisen. Ferner sind Töpferei und Textilverarbeitung belegt. Wichtige Funde und Befunddarstellungen sind im Museum Burg Bederkesa zu sehen.

Text: A. Behne, © 2010