Ort der Wegmarke Wallfahrtsort St. Joost

Wallfahrtsort St. Joost

Nordwestlich dieser Stelle befand sich wohl seit dem 14. Jahrhundert eine Wallfahrtskapelle. Ihr Patron war Jodocus (niederdeutsch St. Joost), ein bretonischer Königssohn des 7. Jahrhunderts, der als wandernder Priester und Eremit lebte und dafür auf die Königswürde verzichtet hatte. Deshalb hat die Darstellung von St. Joost im Stinstedter Wappen die Krone zu Füßen und die Muschel als Pilgerzeichen in der Hand. Die legendenumrankte Gestalt war einerseits für Kindersegen, Feuer, Krankheiten und Feldfrucht sowie die Bäcker zuständig, also ein Heiliger für die Bedürfnisse der ländlichen Bevölkerung, andererseits für Reisende und Schiffer. So verwundert es nicht, dass zahlreiche Pilger aus den Hansestädten Lübeck, Hamburg und Bremen zu St. Joost kamen. Mit den Resten der Kapelle wurden auch Fundamente recht komfortabler Gebäude ergraben, in denen die Reisenden nächtigen konnten.

In der evangelischen Kirche werden Heilige als Fürsprecher vor Gott abgelehnt. Nach der Reformation wurde die kleine Kirche daher bald aufgegeben. Aus ihren Ziegeln wurde eine Kapelle in Stinstedt errichtet, die wiederum 1850 abgerissen wurde. Die Ausstattung wurde verteilt: So stammt der Lamstedter Kelch aus St. Joost und vielleicht auch das Odisheimer Kruzifix. 1822 wurde der Standort der Kapelle dem Gemeindegebiet von Odisheim zugeschlagen. In Stinstedt erinnert der Flurname St. Joost an den ehemaligen Wallfahrtsort. Die gegenwärtige Gestaltung dieses Gedenkortes ist Claus Mehrtens aus Stinstedt zu verdanken.

Text: N. Borger-Keweloh