Burg und Kirche in Wulsdorf

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Dieter Bischop, Nicola Borger-Keweloh, Dieter Riemer (Hg.) : Burg und Kirche in Wulsdorf – Bremerhaven 2014.  440 Seiten – Sonderveröffentlichungen des Heimatbundes der Männer vom Morgenstern – ISBN 978-3-931771-00-3

Beschreibung

Dieter Bischop, Nicola Borger-Keweloh, Dieter Riemer (Hg.) : Burg und Kirche in Wulsdorf,

Bremerhaven 2014.  440 Seiten

Sonderveröffentlichungen des Heimatbundes der Männer vom Morgenstern
Hg. von Nicola Borger-Keweloh
Neue Reihe Band 51
zugleich Veröffentlichungen des Stadtarchivs Bremerhaven
Hg. von Julia Kahleyß
Band 23

ISBN 978-3-931771-00-3

Wulsdorf ist eine der Keimzellen Bremerhavens und betrifft damit die Bremerhavener Stadtgeschichte. Zugleich ist es aber auch eine Mikrostudie für Aspekte der Geschichte des Elbe-Weser-Raums im Mittelalter.

Wulsdorf ist einer der ältesten Stadtteile von Bremerhaven. Er geht, abgesehen von frühgeschichtlicher und kaiserzeitlicher Besiedlung, in das frühe Mittelater zurück, wie die Ausgrabung 2002-2003 erwiesen hat.

Damals wurde die Wulsdorfer Dionysiuskirche in einer Notgrabung im Rahmen von Heizungsbau und Renovierung archäologisch untersucht. Dieses Buch bietet den ausführlichen Grabungsbericht. Dieter Bischop legt dabei sorgfältig Schichtaufbau und Einzelbefunde sowie die sich ergebenden Bau- und Baunutzungsgeschichten vor. Parallel dazu hat Dieter Riemer die mittelalterliche Geschichte Wulsdorfs neu bearbeitet. Er hat dabei nicht nur die Ortsgeschichte selbst im Blick, sondern stellt Wulsdorf in einen Beziehungsrahmen zwischen Stade und Bremen. Auch dem Verwandschaftsgeflecht der bestimmenden Familien im Elbe-Weser-Raum gewinnt Riemer neue Aspekte ab. Egon Stuve erklärt das Stoteler Margarethenpatrozinium aus dem familiengeschichtlichen Kontext der ursprünglich in Wulsdorf sitzenden Grafen von Stotel.

Die Ausgrabungen ergaben mindestens drei hölzerne Vorgängerkirchen der heutigen Dionysiuskirche. Die älteste geht ins 9. Jahrhundert zurück. Erst im 12. Jahrhunderts begann man mit der heutigen Feldsteinkirche. Auch wenn die an die Heizungsschächte gebundenen archäologischen Schnitte kein vollständiges Bild ergeben können, bieten die Befunde doch einen erstaunlichen Einblick in Einzelheiten: eine Glocke wohl schon für die erste Holzkirche, in der Feldsteinkirche Seitenaltäre bis zur Reformation mit zugehörigen Opferstöcken und vor allem ein reicher Fund an Bruchstücken verschiedener Fensterverglasungen von erstaunlicher Qualität. All dies ermöglicht zumindest eine Vorstellung vom Aussehen der Kirche in verschiedenen Perioden. Kunsthistorisch sind für das späte 12. /frühe 13. Jahrhundert Beziehungen ins Rheinland zu erweisen. Funde wie die von Traufbestattungen von Säuglingen um die Holzkirchen, ein nach den Auseinandersetzungen mit Erzbischof Balduin im mittleren 15. Jahrhundert vergessener Opferstock sowie Reste von Rosenkränzen oder verlorenes Kleingeld und Knöpfe unter diversen Fußbodenschichten und Trachtreste in nachreformatorischen Bestattungen geben Einblick in verschiedene religiöse Gebräuche und Verhaltensweisen.

Naturwissenschaftliche Untersuchungen ergänzen und unterstützen archäologische und historische Methoden. Der Jedutenberg beispielsweise erfuhr eine unerwartete, geobotanisch begründete Umdatierung, die Dieter Riemer in diesem Buch sogleich historisch einzuordnen versucht.

Das Buch ist ein Sammelband. Wiederholungen vor allem in den Aufsätzen des historischen Teils werden bewusst in Kauf genommen, damit jeder Beitrag in sich verständlich lesbar ist. Verschiedene Autoren nähern sich dem Thema aus der Sicht der jeweils eigenen Wissenschaft. Dabei bleiben Widersprüche bestehen. Diese regen hoffentlich zu neuen Untersuchungen an. Nicht jedes Detail der Baugeschichte konnte geklärt werden. Eine genaue Bauaufnahme mit gezielter archäologischer Ergänzung erweist sich gerade nach der Arbeit an diesem Buch als notwendig.

Die familienkundlichen Quellenabschriften des verstorbenen Schiffdorfer Ortsheimatpflegers Christian Mahler für den Zeitraum von 1313 bis 1710, die Dieter Riemer bearbeitet hat, bieten eine wertvolle Ergänzung und eine Fundgrube für den Familienforscher.

Wegen der herausragenden Bedeutung für Bremerhaven geben die Männer vom Morgenstern diesen Band gemeinsam mit dem Stadtarchiv Bremerhaven und der Stadtarchivarin Julia Kahleyß heraus. Mein herzlicher Dank gilt den Autoren der einzelnen Beiträge, besonders Dieter Riemer und Dieter Bischop, auf denen die Hauptlast gelegen hat. Zugleich danke ich Michael Dieckell und Klaus-Gerrit Gerdts für die finanzielle Unterstützung, ohne die der Druck des Buches nicht möglich gewesen wäre.

Nicola Borger-Keweloh

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